Neulich... begegnete mir ein altes Wort, das so wahrhaftig ist, ...

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... dass es womöglich schon deswegen leider kaum mehr in unserem Arbeit 4.0-Wortschatz vorkommt: Die Güte

Ich behaupte mal, dass mir die deutsche Sprache nicht ganz fremd ist, und dennoch konnte ich selbst mir das Wort nicht präzise definieren. Die Überlegungen hierzu glichen eher einem Gefühl, denn einer Definition.

Im Digitalen Wörterbuch der Deutschen Sprache, DWDS (https://dwds.de ), kann man unter dem Begriff Güte folgendes nachlesen:


"das Gütigsein: die hilfreiche und verzeihende Gesinnung"


Wie fühlt es sich nun an, einem gütigen Menschen zu begegnen? Oder wie fühlt es sich an, selbst gütig zu sein? Und: gibt es diese Tugend - zu einer solchen zählt die Güte - überhaupt noch? In Zeiten, in denen Ellenbogen und Egoismus Hand in Hand gehen, wo sich jeder selbst der Nächste ist und trotz Globalisierung die Welt an der eigenen Tischkante endet, wäre da eine Tugend wie Güte nicht mal wieder angesagt?

Wir sind immer schnell dabei, mit den Augen zu rollen, wenn es darum geht, dass der Kollege X schon wieder nicht die Exceltabelle so formatiert hat, dass sie ordentlich auszudrucken ist. Und beim Bäcker um die Ecke spüren wir, wie uns der Ärger packt, weil die ältere Verkäuferin jedes Mal so langsam ist. Und was ist mit unseren Kindern? Wenn sie uns mal wieder gehörig auf die Nerven gehen, weil zum gefühlt vierhundertsten Mal der Turnbeutel im Flur herumliegt... Das alles sind Momente, wo wir mal ein bisschen mehr Güte zeigen könnten. Ich meine nicht, dass wir alle Missstände, denen wir begegnen, jetzt einfach vom Tisch wischen sollten, um sie wie der gute Onkel - weise nickend - zu bagatellisieren. Natürlich gibt es Dinge, die kann und sollte man nicht tolerieren. Da können wir ja dann auch was dazu sagen.

Aber: Güte meint eben eine Gesinnung, eine Tugend, eine innere Haltung. Hilfreich und verzeihend. Wohlwollend und nachsichtig. Weil wir es gut mit dem anderen meinen.
Albert Schweitzer schreibt in seinem Buch "Die Lehre der Ehrfurcht vor dem Leben", dass in der Gütigkeit vorankomme, wer den Mut habe, sich selber zu beurteilen und zu richten, darum zu ringen, wahrhaft friedfertig zu werden:

„Rechtes Denken lässt das Herz mitreden. Stetige Gütigkeit vermag viel. Wie die Sonne das Eis zum Schmelzen bringt, bringt sie Missverständnisse, Misstrauen und Feindseligkeit zum Schwinden. Was ein Mensch an Gütigkeit in die Welt hinaus gibt, arbeitet an den Herzen und an dem Denken der Menschen.“ (Quelle: Wikipedia)

Vielleicht ein passendes Thema, jetzt in der Vorweihnachtszeit. Und ein Thema, das wir in das neue Jahr mitnehmen könnten?

In diesem Sinne: seien Sie auch gütig mit sich selbst, und genießen Sie eine schöne und besinnliche Adventszeit...

PS: Gerade entdecke ich, dass das Microsoft Word Wörterbuch, das Wort „Gütigkeit“ gar nicht kennt. Ich habe es sofort hinzugefügt.

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