Die Chef-Werdung, Teil 1: "7 Dinge, die Sie unbedingt tun sollten, um ein verdammt mieser Chef zu werden"

Zurück zur Übersicht

Sie beneiden den Kollegen, der seine Abteilung „im Griff“ hat, weil er mit „harter Hand“ regiert? Dessen Mitarbeiter sich vor Ehrfurcht in den Staub werfen, wenn sie ihm im Flur begegnen? Dem einfach nur der Ruf, ein mieser Chef zu sein, vorauseilt und der stolz darauf ist?

Das können Sie auch schaffen, wenn Sie die nachfolgenden Tipps beherzigen.

Tipp 1: Nörgeln Sie!

Nörgeln Sie ständig an allem und jedem herum. Ihr Mitarbeiter, der extra für Sie gestern eine Nachtschicht eingelegt hat, liefert Ihnen gerade die perfekte Präsentation ab, mit der Sie im 10-Uhr-Meeting so richtig glänzen werden? Na, kommen Sie schon! Sie werden ja wohl irgendetwas finden, an dem Sie nörgeln können! Diese kleine Linie hier. Sieht es nicht beinahe so aus, als hätte sie einen winzigen Schatten? Na also! Geht doch!

Tipp 2: Kontrollieren Sie!

Kontrollieren Sie jeden Schritt Ihrer Mitarbeiter und stiften Sie gleichzeitig Unfrieden unter ihnen. Notfalls befragen Sie heimlich die Mitarbeiter: „Herr Müller, sagen Sie mal, wie kommt Frau Schmidt denn mit der Auswertung zurecht? Denken Sie, die wird das schaffen?“ Sehr gut. Das Spiel, das jetzt beginnt, wird im besten Fall zu gegenseitiger Bespitzelung unter Ihren Mitarbeitern führen und Sie dabei gleichzeitig auch noch mit Informationen versorgen.

Tipp 3: Labern Sie!

Sie haben gelernt präzise zu formulieren und Ihre Anliegen auf den Punkt zu bringen? Vergessen Sie’s! Ab in die Tonne damit! So wird das nie was mit Ihnen als miese Führungskraft. Labern Sie rum. Labern Sie, einfach drauf los! Beginnen Sie zum Beispiel eine Arbeitsanweisung in der gewohnt präzisen Form und schweifen Sie dann plötzlich ab, indem Sie über den letzten Segelurlaub (zur Not geht auch das Golfturnier oder die Grippeerkrankung Ihrer Schwiegermutter) berichten, unterbrechen Sie sich erneut und fragen Sie den Mitarbeiter abrupt: „So, wo waren wir gerade stehen geblieben?“ Oder gerne auch Arbeitsanweisungen wie: „Ich bräuchte da mal demnächst eine Aufstellung über ein paar Zahlen aus der Vertriebsabteilung, Schneider. Schauen Sie doch mal, was Sie da so machen können...!“ Ich garantiere Ihnen: Bei Nachfrage in 3 Stunden können Sie sofort auf Tipp 1 zurück kommen!

Tipp 4: Lügen Sie!

Lügen Sie, dass sich die Balken biegen! Das darf man nicht? Das ist unmoralisch und gehört sich nicht? Hier heiligt der Zweck die Mittel. Schließlich wollen Sie doch ein verdammt mieser Chef werden, oder etwa nicht? Na also... Beispiel: Sie sollten für den Bereichsleiter ein paar Zahlen zusammenstellen und haben es schlicht verpennt. Macht nichts! Jetzt kommen Ihre Fähigkeiten als Enkel von Münchhausen zum Zuge: Behaupten Sie beim Bereichsleiter einfach, Ihr Mitarbeiter Kunz hatte die Aufgabe, die Recherche zu machen und ist immer noch nicht fertig, überhaupt braucht er immer für alles so lange, aber Sie werden ihm schon Beine machen! Als nächstes stehen Sie bei Kunz auf der Matte und fragen ganz trocken, wann Sie mit den Zahlen rechnen können. Er wird aus allen Wolken fallen und einwenden, dass er davon nichts wusste. Sie sind am Ziel! Behaupten Sie jetzt schlicht und ergreifend und im Brustton der Überzeugung, dass Sie ihm das schon vor einer Woche aufgetragen hätten! Anschließend setzen sie ihm (für Fortgeschrittene: mit wohlwollendem Schulterklopfen) eine viel zu kurze Frist, um das „Versäumte“ nachzuholen. Und? War doch gar nicht so schwierig, oder?

Tipp 5: Loben Sie!

Wie, Lob halten Sie für viel zu human? Weit gefehlt! Beobachten Sie einmal, was passiert, wenn Sie einen Controller dafür loben, wie gut er Excel beherrscht! Sehen Sie? Benutzen Sie Lob als Waffe, loben Sie, was das Zeug hält. Für jeden Kleinkram, der für Ihren Mitarbeiter so selbstverständlich ist, wie atmen – aber loben Sie niemals eine wirklich gute Leistung! An diesem Punkt kehren Sie zurück zu Tipp 1.

Tipp 6: Seien Sie ein Sozial-Krüppel

Keine leichte Aufgabe, wenn Sie selbst für sich Rücksichtnahme und Verständnis in Anspruch nehmen möchten. Aber das macht ja gerade den Sozial-Krüppel aus! Nehmen Sie auf jeden Fall alles an Mitgefühl und Wertschätzung mit, was sie selbst kriegen können. Aber seien sie ein wirklicher sozialer Kotzbrocken, wenn es um die Belange Ihrer Mitarbeiter geht. Frau Schmidts Kind ist schwer erkrankt und sie möchte eine Stunde früher nach Hause gehen? Auf keinen Fall! Was geht Sie das Gör von wildfremden Leuten an? Soll die Schmidt sich doch mal endlich besser organisieren. Die Zahl der Nachfragen dieser Art wird sich nach so einer Ansage an Frau Schmidt dramatisch reduzieren. Gute Arbeit!

Und jetzt zur wichtigsten Maßnahme auf dem Weg zu einem wirklich miesen Chef:

Tipp 7: Arbeiten Sie!

Und zwar viel! Sehr viel! Unter 14 Stunden machen Sie’s nicht. Übernehmen Sie immer mehr Aufgaben, um endlich mal den Vorstand auf sich aufmerksam zu machen. Beginnen Sie morgens spätestens um 6 Uhr und kontrollieren Sie zuletzt um 22:47 Uhr noch einmal die Büros Ihrer Mitarbeiter, ehe Sie das Licht löschen und nach Hause gehen. Zuhause angekommen, checken Sie als erstes Ihre Mails. Schließlich waren Sie jetzt während der 34-minütigen Heimfahrt offline – was da alles hereingekommen sein kann! Schreiben Sie nach Mitternacht noch eine Arbeitsanweisung an Müller und erinnern Sie Kunz um 0:34 Uhr in einer weiteren Mail an die versprochenen Zahlen. Gönnen Sie sich auf keinen Fall Pausen! Urlaub nur, wenn er von Oben angeordnet wird. Und selbstverständlich sind Sie auch im Urlaub ständig erreichbar und verbringen mindestens 6 Stunden am Tag damit, zu telefonieren, Mails zu schreiben und schon mal das eine oder andere für die Zeit nach dem Urlaub vorzubereiten. Danach lassen Sie mindestens 2 Stunden lang Ihre schlechte Laune an Ihrer Familie aus, schließlich ist ein gestörtes soziales Umfeld ein wichtiger Baustein auf dem Weg, ein richtig mieser Chef zu werden. Wenn Sie nun also konsequent alle Hinweise unter diesem Tipp 7 beherzigen, erhöht das Ihre Erfolgsaussichten bei den Tipps 1-6 enorm!

Und jetzt genug geschmunzelt, die Sache wird ernst. Lesen Sie die Fortsetzung im Blog „Sie müssen kein mieser Chef sein, um erfolgreich zu arbeiten.“

Kontakt